Einleitung

Die Debatte in den Medien fokussiert größtenteils das Versagen der Sicherheitsbehörden in Bezug auf die Affäre des NSU(National Sozialistischer Untergrund). Wenige Medien zeigen darin jedoch Widersprüche und andere Deutungsrichtung der Fakten- und Indizienlage auf. Umfassende Erklärungen der Terrorgefahr, ihrer Ursachen und Begründungen für Anti-Terror-Maßnahmen werden kaum angeboten. Die Affäre des NSU wurde zudem noch nicht auf Indizien und/ oder Hinweise untersucht, die Parallelen zu anderen Terrorereignissen aufzeigen. Eine Möglichkeit, durch die sich die Debatte mit Hinweisen und Erkenntnissen aus der Vergangenheit bereichern ließe. „Denn natürlich dürfen Journalisten auch dann noch Fragen stellen und Merkwürdigkeiten auf der Spur bleiben, wenn die Justiz einen Fall längst zu den Akten gelegt hat. Sie dürfen auch zweifelhafte Urteile und Verfahrenseinstellungen kritisieren. Das genau ist das Wesen einer freien Presse“[1].

Im Zentrum dieser Betrachtung steht die so genannte Strategie der Spannung. Über sie erfuhr eine breite Öffentlichkeit Anfang der 1990er Jahre. Es kam damals zu Tage, dass Massaker dazu dienten innerhalb des Landes Spannungen in der Bevölkerung zu erzeugen.[2] Diese Ereignisse fanden allerdings im Italien unter Premier Giulio Andreottistatt.

Andreotti erklärte am 03.08.1990 vor dem Senat, dass im Land eine Geheimarmee mit dem Decknamen „Gladio“ (ital. für Kurzschwert) existiere. Er bestand zu dem darauf, dass sie Teil eines Netzwerkes war, welches, wie nun bekannt, sich neben Italien über die Länder Portugal, Spanien, Griechenland, Türkei, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Dänemark, Norwegen; einschließlich der „vier neutralen Staaten […] Österreich, Finnland, Schweden und die Schweiz“[3], sowie eben der BRD erstreckte. Dieses durch die NATO(North Atlantic Treaty Organisation) koordinierte sogenannte Stay-behind-Netzwerk sollte im Falle einer Invasion Westeuropas durch die Sowjetunion hinter den feindlichen Linien den Guerillakampf aufnehmen. Die Armee der Stay-behinds (S/B) war seit ihren Ursprüngen kurz nach dem II. Weltkrieg weder den Völkern, noch den Parlamenten oder der Mehrzahl der Regierungsmitglieder bekannt. In einigen Ländern entwickelten sich daraus jedoch Terrorzellen. So wurde z.B. „Gladio“ in Zusammenarbeit mit rechtsextremen Terroristen im Sinne der Strategie der Spannung eingesetzt.

Könnten heute diese oder ähnliche Elemente die Strategie der Spannung selbst oder sie als Blaupause anwenden?

Allein wegen der sich aus der Existenz der Geheimarmee in der BRD ergebenden Frage des Vertrauens in die vergangenen Regierungen, würde wohl ein „Warum nicht?“ als Antwort auf die Ausgangsfrage rechtfertigen. Im Besonderen, weil es bei der Ankündigung im Jahr 1990, die entsprechenden Strukturen „bis zum April 1991“[4] aufzulösen geblieben ist.

Im Vorfeld der Arbeit wurden neben dem Standwerk zum Thema inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung in Europa vier weitere Fachbücher und -schriften, vier Gutachten, zwei Vorträge, eine Studie, vier TV-Dokumentationen, drei Print- und 65 Onlineartikel begutachtet. Zur Beantwortung der Ausgangsfrage werden an Hand dieser Informationen die Phänomene der S/B und des NSU verglichen, um Parallelen aufzuzeigen. Dafür wird das Thema Geheimarmeen zum Einstieg dargestellt. Darauf folgend stellen die Aufgaben der sogenannten Stay-behind-Agenten (S/BA) weitere Vergleichsgrundlagen. Im Anschluss wird Begriff „Strategie der Spannung“ erläutert. Die Relevanz für Deutschland wird darauf folgend im Zeitverlauf gezeigt. Sodann wird die NSU-Affäre detailliert betrachtet. Weiterführend werden Parallelen zwischen dem Rechtsextremismus in Deutschland mit Schwerpunkt NSU und sogenannten „Gladio“-Affäre aufgezeigt. Zu Vorletzt wird der in dieser Arbeit sekundäre Themenkomplex des inszenierten Linksterrorismus dargestellt und auf Parallelen auf vorherigen Erkenntnissen gezeigt, um zum Ende das Fazit der Arbeit zu ziehen.

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[1] Vgl. Die Zeit; Urteil gegen die Pressefreiheit; 14.08.2010
[2] Vgl. Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 30
[3] Zitat, Ebenda; S. 378
[4] Zitat; Süddeutsche Zeitung; Geheimarmeen in elf Nato-Ländern; 04.04.2009

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