Zusammenfassung

Die Affäre des NSU(National Sozialistischer Untergrund) wurde noch nicht auf Parallelen zu anderen Terrorereignissen untersucht. Wenn es um Westeuropa geht, ist vielen „bis heute nicht klar, wie stark auch die europäischen Länder manipuliert wurden. Die Fakten über Gladio und die Stay-behind-Armeen der NATO zeigen eine subtilere und verdeckte Strategie zur Manipulation und Eingrenzung der Souveränität, […]“[i] Daher lautet die Frage der Artikelserie, ob heute diese oder ähnliche Elemente die Strategie der Spannung selbst oder sie als Blaupause anwenden könnten. Zur Beantwortung der Frage wurden im Vorfeld neben dem Standwerk zum Thema inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung in Europa vier weitere Fachbücher und -schriften, vier Gutachten, zwei Vorträge, eine Studie, vier TV-Dokumentationen, drei Print- und 65 Onlineartikel begutachtet.

In der Serie wird die NSU-Affäre mit der italienischen Gladio-Affäre verglichen. Der Fokus liegt dabei auf den Attentaten in Bologna, Peteano und Mailand. Weiterhin wird die offizielle Informations- und Aufklärungsarbeit von NSU und Oktoberfestanschlag verglichen. In dieser Serie wird sekundär der inszenierte Linksterrorismus, der für die Beantwortung der Ausgangsfrage nicht minder gewichtig ist, an Hand der Fälle Benno Ohnesorg, Peter Urbach und Verena C. Becker dargestellt.

Hinsichtlich der Prozesse zum Anschlag in Bologna lassen sich vier vor Gericht geäußerte Verdachtsmomente zeigen, die ebenfalls in der NSU-Affäre gefunden werden können. Das Attentat von Peteano wird fallweise mit dem von Heilbronn verglichen. Beide Fälle zeigen Gleichnisse in Bezug auf Opfer, Täter, Tatausführung, Ermittlungen und der jeweiligen Verbindung zur DIA(Defense Intelligence Agency)auf. An Hand des Attentates von Mailand zeigt sich die Relevanz der Strategie der Spannung für Deutschland. Besonders die sechs Parallelen zwischen NSU-Affäre und Oktoberfestanschlag hinsichtlich offizieller Informations- und Aufklärungsarbeit machen dies deutlich.

Exemplarisch sind es sechs Aktenvermerke, nach denen die Festnahme des Trios abgelehnt wird, die die Essenz der offiziellen Version, nämlich der Unfähigkeit der Sicherheitsorgane die NSU-Terrorkampagne nicht unterbinden zu können, als schwer glaubwürdig erscheinen lassen. Verantwortliche Politiker und Vertreter der Sicherheitsbehörden trafen sich wegen des NSU in Berlin am 18.11.11 zum „ersten Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 […] in dieser Runde […]“.[ii]Veränderungen während der NSU-Affäre sind im BND(Bundesnachrichten Dienst), in der BuPol(Bundespolizei), im BfV(Bundesamt für Verfassungsschutz) und in den LfV(Landesamt für Verfassungsschutz) Sachsen, NRW und Thüringen festzuhalten. In der Folge des NSU wurde das GAR(Gemeinsame Abwehrzentrum Rechts) geschaffen, ebenso die Zentraldatei RED(Rechtsextremismus-Datei). Beides Instrumente, die der Zentralisierung der Terrorbekämpfung dienen und die Umsetzung der Trennungsgebote unscharf werden lassen. Innerhalb der rechtsextremen Szene in der BRD ist der NSU kein Einzelfall, bei dem Rechtsterroristen Hinweise auf Verbindungen in den Themenkomplex der Artikelserie aufweisen.

Im Ergebnis lässt sich konstatieren, dass die Geheimarmeen in Deutschland kein statisches Phänomen im Kalten Krieg sind, weder organisational noch technisch oder strukturell. Die Verbindung der hiesigen Beispiele für inszenierten Terror liegt in den Geheimarmeen respektive deren Auftrag im Sinne der Strategie der Spannung zu agieren. Besonders, aber nicht ausschließlich wegen der gefundenen Unklarheiten in der offiziellen Version und den 15 Parallelen scheint der NSU sich darin einzureihen. Zusammenfassend führt die Serie zu dem Schluss, dass heutige, den damals ähnlichen, Elementen des Sicherheitsapparates die Strategie der Spannung als Blaupause anwenden, um damit konservative, reaktionär-soziale und –politische Tendenzen zu fördern. Für ein endgültiges umfassendes Urteil müssen allerdings weitere detailliertere Untersuchungen durchgeführt werden.
Zur Einleitung


[i] Zitat, Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 379
[ii] Zitat, Die Zeit; „Da helfen die besten Dateien nicht“; 18.11.2012

Advertisements