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Vergleich der Anschläge in Peteano und Heilbronn

Der Vergleich zwischen dem Anschlag von Peteano in Italien und dem Anschlag auf der Theresienwiese in Heilbronn vom 25.07.2007 soll hier die Gemeinsamkeiten betonen. Die in jedem Fall vorhandenen Unterschiede seien im Rahmens dieses Artikels außen vor gelassen.

Den Anschlägen von Peteano und Heilbronn fielen jeweils Kräfte von Sicherheitskräfte zum Opfer. Da die italienische Gendarmerie als eine militärisch-organisierte Polizeieinheit gilt und Michele Kiesewetter im Dienst der Polizei stand, lässt sich festhalten, dass in beiden Fällen die Opfer polizeiliche Einsatzkräfte waren.

Während in Peteano die Einsatzkräfte durch einen anonymen Anruf zum Tatort gelockt wurden, wo sie durch eine in einem durch sie zu untersuchenden Wagen versteckte Bombe ums Leben kamen[1], wurden Kiesewetter und ihr Kollege während der Mittagspause im Auto von hinten niedergeschossen[2], wobei sie umkam und der Kollege schwer verletzt überlebte[3]. Daher kann konstatiert werden, dass in beiden Fällen die Polizeikräfte durch einen Hinterhalt zu Tode kamen.

In Italien wurden für den Anschlag die Linksterroristen der Roten Brigade, Brigade Rosso, verantwortlich gemacht. Wie der Richter Felice Casson herausfand war das falsch. Er deckte auf, dass Neonazis in Zusammenarbeit mit dem militärischen Geheimdienst den Anschlag zu verantworten hatten[4]. Im Falle des Polizistenmordes von Heilbronn wird für die Tat erst buchstäblich ein Phantom verantwortlich gemacht. Im Sommer des Jahres werden dann Mitglieder der Roma und Sinti verdächtigt, was einige Medien dazu bewegt, dies rassistisch als eine Spur in das „Zigeunermilieu“ zu kolportieren.[5] Der Verdacht rechtsradikale Attentäter könnten diese Tat ausgeführt haben wurde bis zum Schluss nicht verfolgt. Am 04.11.2011 wird nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos in dem abgebrannten Wohnwagen die u.a. Dienstwaffe Kiesewetters gefunden.[6] Daraufhin konnte die Tat mit dem NSU in Verbindung gebracht werden. Damit wird nach jetzigem Stand auch in Punkto Aufklärungsarbeit klar, dass in beiden Fällen zuerst falschen Fährten nachgegangen wurden.
Zum jetzigen Stand lassen sich beide Fälle als von Rechtsterroristen ausgeführte Taten ansehen. Cassons Ermittlungen führten letztlich zu den Geheimarmeen der NATO.[7] An deren hierarchischer Spitze steht das Pentagon.

Betrachtet man im Gegensatz dazu den Fall in Heilbronn lässt sich folgendes zeigen.
Das Magazin der Stern veröffentlichte am 01.12.2011 ein Dokument der DIA.[8] Der vom SIT(Special Investigation Team) Stuttgart verfasste Contact report, hat eine Observation vom 25.07.2012 zum Inhalt.[9] Über die Schießerei auf der Theresienwiese heißt es in dem Bericht:
“shooting incident involving BW OPS officer with right wing operatives and regular police patrol on the scene” (dt.: Scheißerei, in die Agenten des LfV Baden-Württemberg mit Agenten des rechten Flügels und reguläre Polizeistreife am Tatort involviert sind.)[10] Das Magazin übersetzt „right wing operatives“ mit Rechtsextremen, was nicht sehr vorteilhaft erscheint, da „operative“ auch von den Onlinenachschlagewerken google[11] sowie Leo mit „Agent“ übersetzt werden[12]. Von all den Implikationen, die aus diesem Satz hervorgehen, soll hier nur interessieren, dass die DIA mit zwei Agenten[13] vor Ort war, die über – wortwörtlich übersetzt – Rechts-Flügel-Agenten informiert waren.

„Die DIA untersteht dem Kommando der US Joint Chiefs of Staff bei der CIA mit ihrem Hauptquartier im Pentagon in Washington. Die DIA operiert in enger Koordination mit der CIA […]“.[14] Die Verbindung beider Fälle zur DIA wird deshalb deutlich. Wenn also in beiden Fällen über entsprechende Geheimdienste auch eine Verbindung zum Militär gegeben ist, können beide Anschläge zusammenfassend mit den Worten des ehemaligen BND-Agenten Norbert Juretzko als „eine Mischung aus staatsgefährdenden Geheimdienst-, Militär- und Neonazimauscheleien“[15], beschrieben werden.

Der Vergleich macht deutlich, dass Übereinstimmungen hinsichtlich der Opfer, der Täter, der Tatausführung und bei den Ermittlungen vorliegen. Zudem, dass in beiden Fällen Verbindungen zur DIA bestehen. In wieweit dies Einfluss auf die Opfer, die Täter oder gar die Tat hatte müsste jedoch in weiteren Untersuchungen festgestellt werden, da dies aus den vorliegenden Informationen nicht hervorgeht.

Nicht geklärt werden kann hier, inwiefern ein Vergleich der Terrorkampagne des NSU als Ganzes mit anderen Terrorkampagnen in Europa Parallelen aufweist.

Mit Bezug zur Ausgangsfrage wäre beispielsweise zu prüfen, ob sich Gemeinsamkeiten mit den sogenannten Brabant-Anschlägen feststellen lassen. In der Belgischen Region verbreiteten drei Rechtsterroristen der WNP Angst und Schrecken. Sie waren durch ein Neonazinetzwerk, der FJ (Front de la Jeunesse), gestützt und überfielen auch ausländische Gewerbe. Teile der belgischen Gendarmerie waren in die FJ als Group G eingebunden. Aus dieser Gruppe entwickelte sich innerhalb der FJ der höchst militante Zweig WNP. Der Anführer der WNP, Paul Latinus, wurde nach eigenen Aussagen auch von der DIA bezahlt.[16]

Da die DIA das bereits angesprochene Dokument FM 30-31 verfasst hat und es ebenfalls ein zentrales Element für die Strategie der Spannung darstellt, soll ein weiterer Auszug daraus die Dringlichkeit der Beantwortung der Ausgangsfrage unterstreichen.

„Um dieses Ziel zu erreichen, sollte der Geheimdienst der amerikanischen Streitkräfte versuchen in die Gruppe der Anführer einzudringen. Die dafür eingesetzten Agenten haben die Aufgabe, unter den radikalsten Elementen des Aufruhrs spezielle Aktionsgruppen zu bilden. In einem Fall in dem es unmöglich ist, solche Agenten erfolgreich in die Führung der Aufständischen einzuschleusen, kann es sinnvoll sein, linksextreme Organisationen zu instrumentalisieren, um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen.“

„Die Agenten mussten dann innerhalb der Bewegung des Feindes die Gewalt eskalieren lassen, auf die wiederum die regulären Einsatzkräfte […] reagieren konnten“,[17] erläutert Ganser die Worte der FM30-31 näher. Auch die obige Aussage des Belgiers Lekkeu wird durch dieses Dokument unterstützt.

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[1] Vgl. Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 24
[2] TAZ; Heiße Spur ins Zigeunermilieu; 12.04.2012
[3] Vgl. Stern; Waren Verfassungsschützer Zeuge beim Mord an Michèle Kiesewetter?; 30.11 2011
[4] Vgl. Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 24, 25
[5] Vgl. TAZ; Heiße Spur ins Zigeunermilieu; 12.04.2012
[6] Vgl. ARD Fakt; Kiesewetters Kollegen waren Mitglieder des Ku-Klux-Klans; 01.08.2012
[7] Vgl. Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 30,31
[8] Vgl. Stern; Waren Verfassungsschützer Zeuge beim Mord an Michèle Kiesewetter?; 30.11 2011
[9] Vgl. Frankfurter Rundschau; Von Agenten und einem Polizistenmord; 01.12.2011
[10] Zitat Stern; Waren Verfassungsschützer Zeuge beim Mord an Michèle Kiesewetter?; 30.11 2011

[11] Vgl. http://translate.google.com/?q=shooting+incident+#en/de/operative; Zugriff: 28.08.2012, 18.13 Uhr
[12] Vgl. http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=operative; Zugriff: 28.08.2012, 18.15 Uhr
[13] Vgl. Frankfurter Rundschau; Von Agenten und einem Polizistenmord; 01.12.2011
[14] Zitat Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 433, 434
[15] Zitat Juretzko; Dietl; Bedingt Dienstbereit;Berlin; 2011; S. 132
[16] Vgl. Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 222, 227, 230, 231
[17] Zitat Ebenda; S. 362