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Inszenierter Linksterrorismus: Der Fall Benno Ohnesorg

 

Der damals 26jährige Benno Ohnesorg nahm am 02.06.1967 an der Demonstration vor der Deutschen Oper in West-Berlin gegen den Schar von Persien teil.[1] Ein Schuss trifft Ohnesorg am Kopf. Verdächtigt wurde der West-Berliner Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras.[2]

Vom Tatort im Innenhof eines Hauses in der Krummen Straße in Charlottenburg zum Krankenhaus benötigt man mit einem durchschnittlichen Auto für die ca. 4,3 km lange Strecke „weniger als zehn Minuten“, jedoch „dauerte die Irrfahrt mit Ohnesorg fast eine Stunde“. Dem Magazin Der Spiegel nach wurde zudem „ein handtellergroßes Stück aus seinem Schädel herausgebrochen“, „genau rund um die Einschussstelle“ und damit auch die Leiche Ohnesorgs manipuliert. Ebenso sei die „Patronenhülse, die Rückschlüsse auf die Position von Kurras beim tödlichen Schuss hätte geben können“ nicht bei den Ermittlungen beachtet worden.[3]

„Der am Ort des Geschehens im Innenhof eines Hauses der Berliner Krumme Straße verantwortliche Einsatzleiter, der Staatsschutzbeamte Helmut Starke, hatte als Kurras‘ Vorgesetzter erklärt, er habe den Schützen erst erheblich später gesehen.“[4] Kurras berief sich damals auf Notwehr. Gegen Kurras wurden zwei Prozesse geführt, die je mit Freispruch endeten.[5]

Ein nun veröffentlichtes Foto zeigt, „nicht nur Starke und den verwundet am Boden liegenden Ohnesorg, sondern in unmittelbarer Nähe auch den Todesschützen Kurras.“ „Die West-Berliner Polizei hat offenbar die Hintergründe des tödlichen Schusses […] vertuscht. Damit wurde der Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras, […], geschützt.“[6]

Der Todesschütze Kurras war zudem ab 26.04 1955 unter dem Decknamen „Otto Bohl“ „Inoffizieller Mitarbeiter der Abteilung IV der Groß-Berliner Stasi“. Am 15.12.1962 stellte er den Aufnahme Antrag zum Beitritt in die SED. „Mit Zustimmung des ZK der SED wurde er nach der Kandidatenzeit tatsächlich aufgenommen und erhielt am 28. Juli 1964 das Mitgliedsbuch mit der Nummer 2 002 373.“ Während seiner Tätigkeit lieferte er „detailliert Erkenntnisse über Mitarbeiter, Ausbildung, Arbeitsweise und Personalveränderungen, Befehle, Dienstpläne und Einsatzpläne, zur Tätigkeit der Alliierten, der Ausstattung und Standorte – meist in dokumentarischer Form. Er war verantwortlich für die Asservate und die Auswertung des Funkverkehrs des MfS“ zitiert online die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Mitarbeiter der Behörde der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (Staatssicherheit, Ministerium für Staatssicherheit) in Berlin, Helmut Müller-Enbergs und Cornelia Jabs.

„Bei der Erfüllung seiner Aufgaben zeigt der K. Mut und entwickelt die notwendige Initiative … er (steht) treu zur Deutschen Demokratischen Republik“, heißt es in der Akte“ des „Waffennarrs“ Kurras ist dem Artikel weiter zu entnehmen.[7]

Ungeklärt bleibt die Frage, ob er im Auftrag der STASI handelte als er auf Ohnesorg schoss. Damit einhergehend wäre auch zu ergründen, ob die dadurch ausgelöste „Radikalisierung der Studentenbewegung durch einen gezielten Todesschuss und explizite Verschleierung der Tat“[8] letztlich der STASI und damit Moskau mehr Nutzen gebracht hat, als den us-geführten Westmächten.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Beantwortung dieser Frage hat die Tatsache, dass das MfS erfolgreich den BND infiltrieren konnte. „Originaldokumente aus den Archiven, deren Geheimhaltung aufgehoben wurde, bestätigen nun, dass der ostdeutsche Geheimdienst über die Stay-behind sehr gut informiert war.“[9]

Ein Fall der das zeigt, ist der von Heidrun Hofer. Sie arbeitete in der „Abteilung 4 des BND, welche die deutsche Stay-behind leitete“ und hatte Zugang zu streng geheimen Dokumenten, auch zu denen mit „der höchsten NATO- Geheimhaltungsstufe „cosmic““. Es „ist gesichert, dass sie Informationen über ein streng geheimes deutsches Stay-behind-Kommandozentrum weitergegeben hat,[…]“. Hofer gab „ihre Informationen unwissentlich weiter“ und zwar an ihren Mann, den Spion mit Decknamen Hans Puschke. Diese Liason begann 1969.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Stasi schon vorher, z.B. Mitte der 1960er, Jahre Informationen über die deutsche Stay-behind-Netzwerk in Erfahrung bringen konnte, denn mit „einer auf Erfahrung gestützten Überzeugung nannten sowohl die CIA als auch der MI6 den BND den löchrigen Geheimdienst“[10]. Daher sollte bei der Beantwortung der eben gestellten Frage auch die Möglichkeit der Doppelagententätigkeit von Karl-Heinz Kurras beachtet werden.

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[1] Vgl. Spiegel; Manipulation auf dem OP-Tisch; 25.01.2012; Peter Wensierski
[2] Vgl. TAZ; Eine gezielte Exekution; 22.01.2012; Stefan Reinecke
[3] Vgl. Spiegel; Manipulation auf dem OP-Tisch; 25.01.2012; Peter Wensierski
[4] Zitat Spiegel; Berliner Polizei vertuschte Hintergründe des Ohnesorg-Todes; 22.01.2012
[5] Vgl. TAZ; Eine gezielte Exekution; 22.01.2012; Stefan Reinecke
[6] Zitat Spiegel; Berliner Polizei vertuschte Hintergründe des Ohnesorg-Todes; 22.01.2012
[7] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung; Stasi-Mitarbeiter erschoss Benno Ohnesorg; 21.05.2009
[8] Zitat TAZ; Eine gezielte Exekution; 22.01.2012
[9] Zitat Ganser; NATO Geheimarmeen in Europa; Zürich; 2010; S. 317
[10] Zitat Ebenda; S. 316

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