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Inszenierter Linksterrorismus: Der Fall Peter Urbach

„Der in Posen geborene Urbach erschlich sich 1967 im Auftrag des West-Berliner Landesamtes für Verfassungsschutz das Vertrauen der Kommune 1 und vieler führender Linksradikaler.“[1] Dienstherr des West-Berliner LfV war zwischen Oktober 1967 bis April 1977 Innensenator Kurt Neubauer (SPD).[2] Urbach „wird eine wichtige Rolle bei der Radikalisierung der extremen Linken zugeschrieben.“[3] Grund hierfür liegt in der Versorgung der sich gründenden militanten Linken mit Brand-und Sprengbomben sowie Schusswaffen.[4] Darüber hinaus auch Rohre, Kabel und Krähenfüße.[5]

„Der Agent provocateur flog erst auf, als er vorgab, Andreas Baader an ein Waffenversteck führen zu können. Die Polizei war gewarnt und nahm Baader fest. Seine gewaltsame Befreiung durch Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof am 14. Mai 1970 gilt als Gründungsdatum der RAF.“[6]„In historischer Perspektive müsste der Berliner Verfassungsschutz zumindest als Pate dieser terroristischen Vereinigung betrachtet werden, denn ohne die Starthilfe durch Senator Neubauer und die staatlich geförderte Tatkraft seines Agenten Urbach wäre die RAF womöglich gar nicht entstanden.“[7]

Es kann damit festgehalten werden, dass sich in der damaligen linken Bewegung unter Einfluss von Urbachs Handlungen radikale Aktionsgruppen bildeten. Sei es die durch ihn mit Molotow-Cocktails geleistete Bewaffnung einiger Studenten bei der Demonstration gegen den Springerkonzern oder die Befreiungsaktion Baaders, zu dessen Festnahme Urbach entschieden beigetragen hatte. Ebenfalls kann festgehalten werden, dass dies mit Wissen des Berliner LfV geschah. Zu ergründen wäre, wie Urbachs Anweisungen dazu konkret aussahen.

Aus diesen Erkenntnissen stellt sich folgend die Frage, inwieweit dies unter der Direktive der FM30-31 geschah, wobei auf Basis der hier vorliegende Informationen unklar ist, wie der Einfluss der DIA auf den Berliner LfV aussah. In jedem Fall wurde die Bildung von Aktionsgruppen unter den radikalsten Elementen der linken Bewegung durch Urbachs Einfluss stark gefördert und genau dazu rät das Dokument. Interessant ist in diesem Sinne die Aussage von Tilman Fichter, dem damaligen Vorstandsmitglied des SDS(Sozialistischen Deutschen Studentenbundes), die in der Zeitung Der Tagesspiegel zitiert wird:

„Es gab ein Verzweiflungspotenzial unter den Studenten, das haben sie (er meint den Verfassungsschutz, Anm. d. Autors) bewaffnet, um dann die gesamte Studentenbewegung zusammenzuschlagen.“[8] Wie oben gezeigt werden konnte, gehörte die Hinwirkung auf die Zerschlagung von Demonstrationen ebenfalls zum Aufgabenspektrum der SBA (siehe hier). Möglicherweise ist das Handeln Urbachs in Bezug auf die Radikalisierung von Bewegungen auch parallel zu dem von Neonazi Sebastian Seeman oder Didier M., beide V-Männer in der rechtsextremen Szene der heutigen Zeit, anzusehen.

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[1] Zitat TAZ; Peter Urbach soll gestorben sein; 18.03.2012
[2] Vgl. Berlin.de; Die Berliner Innensenatoren: Kurt Neubauer
[3] Zitat TAZ; Peter Urbach soll gestorben sein; 18.03.2012
[4] Vgl. Süddeutsche Zeitung; Peter Urbach soll in den USA gestorben sein; 18.03.2012
[5] Vgl. Der Tagesspiegel; Bomben für den SDS; 23.03.2012
[6] Zitat Süddeutsche Zeitung; Genau das Stückchen Arbeiterklasse; 18.03.2012
[7] Zitat Ebenda
[8] Zitat, Der Tagesspiegel; Bomben für den SDS; 23.03.2012

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